Agentic Engineering ist Auftragsarbeit. Vibe Coding ist ein Experiment.

Vibe Coding und Softwareentwicklung nutzen heute dieselben Werkzeuge. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern darin, ob jemand das Ergebnis liest, prüft und dafür geradesteht. Wer für Kunden baut, braucht das Zweite. Es hat inzwischen einen Namen: Agentic Engineering.

Stand 10.10.26

Ein Begriff aus dem Wochenendprojekt

Den Begriff Vibe Coding prägte Andrej Karpathy am 2. Februar 2025 in einem Beitrag auf X. Gemeint ist eine Art zu programmieren, bei der man sich ganz den „Vibes“ hingibt und vergisst, dass es den Code überhaupt gibt („forget that the code even exists“). Für Wegwerfprojekte am Wochenende hielt er das selbst für brauchbar.

Simon Willison hat den Begriff wenige Wochen später eingegrenzt: Vibe Coding heißt, Software mit einem Sprachmodell zu bauen, ohne den erzeugten Code zu prüfen. Wer prüft, testet und jede Zeile erklären kann, betreibt Softwareentwicklung, auch wenn eine KI den Code geschrieben hat.

Vibe Coding vs. Softwareentwicklung: der Unterschied

Beide sind schnell. Sie unterscheiden sich an vier Stellen:

  • Lesen: Beim Vibe Coding liest niemand den Code. In der Softwareentwicklung liest ihn jemand, bevor er ausgeliefert wird.
  • Prüfen: Vibe Coding prüft, ob es läuft. Softwareentwicklung prüft auch, ob es sicher, wartbar und richtig ist.
  • Erklären: Beim Vibe Coding kann niemand sagen, warum der Code so ist. In der Softwareentwicklung kann das jemand für jede Änderung.
  • Nachvollziehen: Vom Vibe Coding bleibt ein Chatverlauf. Von der Softwareentwicklung bleiben Sessions, Commits und ein Review.

Agentic Engineering: Agenten arbeiten, du verantwortest

Ein Jahr nach dem ersten Beitrag hat Karpathy am 4. Februar 2026 Bilanz gezogen: Programmieren mit KI-Agenten werde für Profis zum Standard, nur mit mehr Aufsicht und Prüfung. Sein Name dafür: Agentic Engineering.

„Agentic“, weil man den Code in 99 Prozent der Fälle nicht mehr selbst schreibt, sondern Agenten anleitet, die es tun, und sie beaufsichtigt. „Engineering“, weil das Können verlangt, das man lernen und verbessern kann.

Im Alltag heißt das: Agenten schreiben Code, führen Tests aus und schlagen Änderungen vor. Du legst das Ziel fest, schneidest die Arbeit in Stücke, die ein Agent schafft, liest den Diff und entscheidest, was ausgeliefert wird. Die Verantwortung bleibt bei dir.

Vibe Coding für Unternehmen: wo es passt und wo nicht

Vibe Coding passt, wo Code nur eine Frage beantworten soll: ein Prototyp für ein Gespräch, ein Klickdummy, ein internes Werkzeug für eine Woche, eine Idee, die man schnell ausprobiert. Danach wird er weggeworfen oder neu gebaut.

Vibe Coding passt nicht, wo Code bleibt: Software, die ein Kunde betreibt, die personenbezogene Daten verarbeitet, Zahlungen auslöst oder jahrelang gepflegt wird. Dort braucht es jemanden, der den Code kennt und für ihn einsteht.

Was das für Agenturen und Freelancer heißt

Dein Kunde kauft keinen Code. Er kauft die Zusage, dass der Code funktioniert, sicher ist und gepflegt werden kann. Diese Zusage gibst du, nicht dein Agent.

Qualität entsteht im Review, nicht im Modell. Ein Agent, der in einer Minute hundert Zeilen schreibt, erzeugt auch hundert Zeilen, die jemand prüfen muss.

Neu ist die Frage nach der Nachvollziehbarkeit. Wenn ein Agent eine Stunde im Projekt eines Kunden gearbeitet hat, sollte der Kunde sehen können, was er getan hat, nicht nur, dass es berechnet wurde.

Wer Vibe Coding verkauft, sollte es so nennen: Prototyp, Experiment, ohne Wartungszusage. Alles andere ist Softwareentwicklung und wird auch so abgerechnet und belegt.

Warum Stunden den Wert nicht mehr messen

Arbeitszeit war das Maß für den Wert von Arbeit. Mit KI-Agenten ist sie es nicht mehr.

Fünf Minuten Prompt, sechzig Minuten Agentenlauf, fünfzehn Minuten Review. Dazu laufen mehrere Projekte gleichzeitig. Und wer nach Stunden abrechnet, verdient genau dann weniger, wenn er in kürzerer Zeit mehr liefert.

Der Aufwand wird dadurch nicht unwichtig, im Gegenteil: Je weniger nach Stunden abgerechnet wird, desto wichtiger wird es, den Aufwand zu kennen. Beim Festpreis, um zu sehen, ob sich das Projekt gerechnet hat. Nach Aufwand, um ihn vollständig und nachvollziehbar weiterzugeben.

Aufwand, Fortschritt und Wert sichtbar machen

Bei Auftragsarbeit mit Agenten gehören drei Dinge offen auf den Tisch:

  • Aufwand: deine Arbeitszeit, die aktive Laufzeit der Agenten und die verbrauchten Token, je Projekt.
  • Fortschritt: worum es in jeder Session ging und welche Commits daraus entstanden sind.
  • Wert: was das Projekt im Verhältnis zum Aufwand wert war, nach Aufwand abgerechnet oder zum Festpreis.

Wie Time Momentum Agentenarbeit nachvollziehbar macht

Leistungsnachweise und die Kommandozeile gehören zu Pro.

  • Aufwand ohne Timer

    Sessions aus Claude Code, Codex und Cursor werden je Projekt erfasst, neben deiner eigenen Arbeitszeit.

  • Nachweis für den Kunden

    Arbeitszeit, KI-Sessions, Laufzeit und Commits im Leistungsnachweis an der Rechnung. Was er zeigt, legst du fest.

    Leistungsnachweis
  • Von deinen Agenten bedient

    Die Agenten, die das Projekt bauen, erfassen über die Kommandozeile tm auch Zeiten, erstellen den Nachweis und bereiten die Rechnung vor.

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Häufige Fragen

Was ist Vibe Coding?

Software mit KI bauen, ohne den erzeugten Code zu lesen oder zu prüfen. Den Begriff prägte Andrej Karpathy im Februar 2025.

Was ist der Unterschied zwischen Vibe Coding und Softwareentwicklung?

Beim Vibe Coding liest und prüft niemand den Code. In der Softwareentwicklung liest ihn jemand, testet ihn und kann jede Änderung erklären, auch wenn eine KI ihn geschrieben hat.

Ist Vibe Coding für Unternehmen geeignet?

Für Prototypen, Klickdummies und kurzlebige interne Werkzeuge ja. Für Software, die Kunden betreiben, die personenbezogene Daten verarbeitet oder lange gepflegt wird, nein.

Was bedeutet Agentic Engineering?

KI-Agenten schreiben den größten Teil des Codes, ein Mensch legt das Ziel fest, prüft das Ergebnis und verantwortet es. Andrej Karpathy schlug den Namen im Februar 2026 vor.

Wie rechnet man Agentic Engineering ab?

Nach Aufwand oder zum Festpreis. In beiden Fällen brauchst du den Aufwand je Projekt: Arbeitszeit, Laufzeit der Agenten und Token. Stunden allein bilden ihn nicht mehr ab, sobald Agenten parallel arbeiten.