Steuern und Sozialversicherung nebenbei: was von deinem Zuverdienst übrig bleibt

Dein Gewinn aus eigenen Aufträgen wird zu deinem Gehalt addiert und mit deinem Grenzsteuersatz besteuert, bei Vollzeitgehalt meist mit rund 25 bis 42 %. Über 410 Euro Gewinn im Jahr ist die Steuererklärung Pflicht. Kranken- und Rentenversicherung bleiben bei nebenberuflicher Selbstständigkeit meist unverändert.

Stand 25.10.26

Den Gewinn richtig bestimmen

Grundlage für Steuer und, wo sie anfallen, Sozialbeiträge ist dein Gewinn: Einnahmen aus deinen Aufträgen minus Betriebsausgaben. Als Nebenberuflicher ermittelst du ihn mit der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Einnahmen und Ausgaben zählen grundsätzlich in dem Jahr, in dem das Geld fließt; wie du Belege und Konto dafür aufsetzt, steht im Artikel Buchhaltung einrichten.

Typische Betriebsausgaben bei KI-Arbeit sind der berufliche Anteil deiner KI-Abos und API-Kosten, Hosting, Domains, Entwicklerkonten, Hardware und Fachliteratur. Was im Einzelnen absetzbar ist und wie du gemischt genutzte Dinge aufteilst, erklärt der Artikel Betriebsausgaben eines KI-Entwicklers. Jeder Euro Betriebsausgabe spart dir genau so viel Steuer, wie ein Euro Gewinn kostet: bei 36 % Grenzsteuersatz kostet ein KI-Abo für 100 Euro netto dich im Ergebnis rund 64 Euro.

Ob du Kleinunternehmer bist, ändert an der Einkommensteuer nichts. Die Regelung betrifft nur die Umsatzsteuer (Kleinunternehmer ja oder nein). Bist du regelbesteuert, gleichen sich vereinnahmte und an das Finanzamt abgeführte Umsatzsteuer in der EÜR aus.

Wie dein Nebengewinn besteuert wird

Für Nebeneinkünfte gibt es keinen eigenen Tarif. Das Finanzamt rechnet Gehalt und Gewinn zusammen und besteuert die Summe nach dem Einkommensteuertarif. Der steigt mit dem Einkommen: Die ersten 12.348 Euro des zu versteuernden Einkommens sind 2026 steuerfrei (Grundfreibetrag), danach beginnt der Satz bei 14 % und erreicht ab 69.879 Euro den Spitzensteuersatz von 42 % (§ 32a EStG).

Der Grundfreibetrag steht dir einmal zu, nicht je Einkunftsart. Dein Gehalt hat ihn bereits aufgebraucht und belegt die unteren Stufen des Tarifs. Der Nebengewinn kommt obendrauf und wird mit dem Satz dieser obersten Stufe besteuert, dem Grenzsteuersatz. Wer mit seinem Durchschnittssteuersatz rechnet, unterschätzt die Steuer auf den Nebengewinn deutlich: Bei 52.000 Euro zu versteuerndem Einkommen beträgt die Einkommensteuer 2026 rund 21,6 % des Einkommens, auf jeden weiteren Euro aber rund 36 %.

Die Lohnsteuer auf dein Gehalt ändert sich durch den Nebengewinn nicht. Die zusätzliche Steuer setzt das Finanzamt erst mit der Jahreserklärung fest.

Rechenbeispiel: von der Rechnung zur Nachzahlung

PostenBetrag
Einnahmen aus dem Auftrag (ohne Umsatzsteuer)3.000 Euro
Betriebsausgaben− 300 Euro
Gewinn2.700 Euro
Einkommensteuer auf 52.000 Euro11.257 Euro
Einkommensteuer auf 54.700 Euro12.237 Euro
Mehr an Einkommensteuer980 Euro (36,3 %)
Kirchensteuer 9 % auf die Mehrsteuer88 Euro
Solidaritätszuschlag0 Euro, Einkommensteuer unter der Freigrenze von 20.350 Euro
Steuer auf den Nebengewinn gesamt1.068 Euro
Bleibt vom Gewinn1.632 Euro

Eigene Rechnung nach der Tarifformel des § 32a EStG für 2026; der Abzug der Kirchensteuer als Sonderausgabe ist vernachlässigt. Von 3.000 Euro Umsatz bleibt also gut die Hälfte. Das gehört in deinen Preis; wie du ihn kalkulierst, steht im Artikel Deinen Preis kalkulieren.

Wie stark dein Gehalt den Satz bestimmt

Ledig, ohne Kirchensteuer, Tarif 2026, eigene Rechnung:

Zu versteuerndes Einkommen aus dem GehaltMehrsteuer je 1.000 Euro GewinnMehrsteuer auf 5.000 Euro Gewinn
30.000 Euro283 Euro (28,3 %)1.453 Euro (29,1 %)
40.000 Euro318 Euro (31,8 %)1.626 Euro (32,5 %)
52.000 Euro360 Euro (36,0 %)1.834 Euro (36,7 %)
65.000 Euro405 Euro (40,5 %)2.059 Euro (41,2 %)

Mit Kirchensteuer kommen 8 % (Bayern, Baden-Württemberg) oder 9 % (übrige Länder) der Mehrsteuer hinzu. Übersteigt deine gesamte Einkommensteuer 20.350 Euro, fällt zusätzlich Solidaritätszuschlag an; das ist bei Ledigen 2026 ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 75.000 Euro der Fall. Bei Zusammenveranlagung zählt das gemeinsame Einkommen nach dem Splittingverfahren; dein Grenzsteuersatz kann dann niedriger oder höher sein.

Die 410-Euro-Grenze und der Härteausgleich

Für Arbeitnehmer gibt es eine Erleichterung für kleine Nebeneinkünfte, also alle Einkünfte, von denen keine Lohnsteuer einbehalten wurde. Gemeint ist der Gewinn, nicht der Umsatz, zusammen mit etwaigen weiteren Einkünften dieser Art, etwa aus Vermietung.

Nebeneinkünfte im JahrSteuererklärungBesteuerung
bis 410 Eurokeine Pflicht wegen der Nebeneinkünftesteuerfrei, der Betrag wird vom Einkommen abgezogen
mehr als 410 bis 820 EuroPflichtgemildert: abgezogen wird der Betrag, um den die Nebeneinkünfte unter 820 Euro liegen
mehr als 820 EuroPflichtvoll mit deinem Grenzsteuersatz

Grundlage sind § 46 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 3 und 5 EStG und § 70 EStDV. Bleibst du unter 410 Euro, kann die Erklärung aus anderen Gründen trotzdem Pflicht sein, etwa wenn du verheiratet bist, ihr beide Arbeitslohn bezieht und einer von euch nach Steuerklasse V besteuert wurde (§ 46 Abs. 2 Nr. 3a EStG).

Die Steuererklärung abgeben

Liegen deine Nebeneinkünfte über 410 Euro, gibst du für das Jahr eine Einkommensteuererklärung ab. Mit Gewinneinkünften geht das in der Regel elektronisch über ELSTER, mit der Anlage EÜR und je nach Einordnung der Anlage S (Freiberufler) oder der Anlage G (Gewerbe). Welche Einordnung für dich gilt, klärt der Artikel Freiberufler oder Gewerbe.

Für 2026 endet die Abgabefrist ohne Steuerberater am 02.08.2027. Welche Erklärungen insgesamt anfallen, welche Frist mit Steuerberater gilt, was bei Verspätung droht und wie du die Formulare ausfüllst, steht im Artikel Die erste Steuererklärung.

Vorauszahlungen einplanen

Die Steuer auf deinen Nebengewinn zahlst du nicht mit jeder Rechnung, sondern erst nach dem Steuerbescheid, oft ein bis anderthalb Jahre nach dem Auftrag. Mit diesem ersten Bescheid kommen häufig zwei Beträge zusammen:

  1. Nachzahlung für das abgelaufene Jahr, im Rechenbeispiel 1.068 Euro.
  2. Vorauszahlungen für das laufende Jahr. Das Finanzamt setzt sie fest, wenn sie mindestens 400 Euro im Jahr und mindestens 100 Euro je Termin betragen (§ 37 Abs. 5 EStG). Termine sind der 10.03., 10.06., 10.09. und 10.12. Grundlage ist in der Regel die Steuer aus der letzten Veranlagung. Im Rechenbeispiel wären das rund 245 Euro Einkommensteuer je Quartal zuzüglich Kirchensteuer.

Setzt das Finanzamt Vorauszahlungen für ein bereits laufendes Jahr nachträglich herauf, passt es die letzte Vorauszahlung des Jahres an; der Erhöhungsbetrag ist innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Bescheids fällig (§ 37 Abs. 4 EStG). Das Finanzamt kann die Vorauszahlungen an die voraussichtliche Steuer des Jahres anpassen (§ 37 Abs. 3 EStG). Läuft deine Nebentätigkeit schwächer, regst du eine Herabsetzung mit einer aktuellen Gewinnschätzung an; läuft sie stärker, kannst du umgekehrt eine Erhöhung anregen, damit die Nachzahlung kleiner ausfällt.

Damit Nachzahlung und Vorauszahlungen dich nicht überraschen, legst du von jeder Zahlung einen festen Anteil zurück. Wie viel und auf welchem Konto, steht im Artikel Rücklagen bilden.

Gewerbesteuer im Nebengewerbe

Gewerbesteuer zahlst du nur, wenn deine Tätigkeit als Gewerbe gilt; Freiberufler zahlen keine. Für Einzelunternehmer bleiben 24.500 Euro Gewerbeertrag im Jahr frei, und diesen Freibetrag überschreitet eine Nebentätigkeit selten. Auch darüber kostet die Gewerbesteuer meist wenig zusätzlich, weil sie bis zu einem Hebesatz von rund 400 % praktisch vollständig auf die Einkommensteuer angerechnet wird (§ 35 EStG); neben einem Gehalt reicht die Einkommensteuer für diese Anrechnung in aller Regel aus. Wie Freibetrag, Messbetrag und Anrechnung im Einzelnen funktionieren, steht im Artikel Freiberufler oder Gewerbe.

Kranken- und Pflegeversicherung

Ob du auf deinen Gewinn Kranken- und Pflegebeiträge zahlst, hängt davon ab, ob die Krankenkasse deine Selbstständigkeit als nebenberuflich oder hauptberuflich einordnet (§ 5 Abs. 5 SGB V). Das Gesetz definiert den Begriff nicht. Nach der Praxis der Krankenkassen ist sie hauptberuflich, wenn sie nach wirtschaftlicher Bedeutung und Zeitaufwand deine übrigen Erwerbstätigkeiten deutlich übersteigt. Geprüft wird nach diesen Kriterien (Werte 2026):

Deine LageEinordnung
angestellt mit mehr als 20 Wochenstunden und mehr als 1.977,50 Euro Arbeitsentgelt im MonatVermutung: Selbstständigkeit ist nebenberuflich
Selbstständigkeit mit mehr als 30 Wochenstundenspricht für hauptberuflich
Selbstständigkeit mit mehr als 20 bis 30 Wochenstundenhauptberuflich, wenn sie deine Haupteinnahmequelle ist und mehr als 1.977,50 Euro im Monat einbringt
du beschäftigst selbst mindestens einen Arbeitnehmer mehr als geringfügiggesetzliche Vermutung: hauptberuflich

Die 1.977,50 Euro entsprechen der halben Bezugsgröße von 3.955 Euro im Monat.

Bleibt die Selbstständigkeit nebenberuflich, ändert sich für dich als pflichtversicherter Angestellter nichts: Kranken- und Pflegeversicherung laufen über den Arbeitgeber, auf den Gewinn fallen keine Beiträge an. Bist du wegen eines hohen Gehalts freiwillig gesetzlich versichert, liegt dein Gehalt in der Regel über der Versicherungspflichtgrenze und damit auch über der Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 Euro im Monat; zusätzliche Beiträge auf den Gewinn entstehen dann ebenfalls nicht. Bist du privat versichert, hängt dein Beitrag ohnehin nicht vom Einkommen ab.

Wird die Selbstständigkeit hauptberuflich, endet die Pflichtversicherung über die Anstellung. Du bist dann freiwillig gesetzlich oder privat versichert. Gesetzlich zahlst du Beiträge auf Gehalt und Gewinn zusammen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Was das kostet, erklärt der Artikel Krankenversicherung als Selbstständiger. Verschiebt sich das Verhältnis von Job und Aufträgen, etwa weil du Stunden reduzierst, sag deiner Krankenkasse Bescheid.

Rentenversicherung

Nebenberufliche Softwareentwicklung ist in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig. Zwei Ausnahmen nach § 2 SGB VI sind für KI-Arbeit wichtig:

  • Lehrtätigkeit: Gibst du nebenbei Workshops oder KI-Schulungen und beschäftigst keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer, bist du als selbstständige Lehrkraft rentenversicherungspflichtig.
  • Im Wesentlichen ein Auftraggeber: Arbeitest du auf Dauer und im Wesentlichen für einen einzigen Kunden, in der Praxis mit rund fünf Sechsteln deiner Einnahmen, und hast keine versicherungspflichtigen Angestellten, kann ebenfalls Rentenversicherungspflicht entstehen.

In beiden Fällen bleibst du versicherungsfrei, solange dein Arbeitseinkommen daraus die Geringfügigkeitsgrenze von 603 Euro im Monat nicht übersteigt (§ 5 Abs. 2 SGB VI). Wie Meldung und Beitrag funktionieren, steht im Artikel Rente, Arbeitslosenversicherung, Berufsgenossenschaft. Eine allgemeine Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen wird diskutiert, ist aber kein Gesetz.

Minijob und Teilzeit

Die Kriterien oben setzen eine Anstellung voraus, die dich selbst kranken- und pflegeversichert. Zwei Konstellationen sind anders:

  • Minijob plus Aufträge: Ein Minijob bis 603 Euro im Monat macht dich nicht krankenversichert. Bist du nicht über Partner oder Eltern familienversichert, brauchst du eine eigene gesetzliche oder private Versicherung; gesetzlich zahlst du dort Beiträge auch auf deinen Gewinn. Die Familienversicherung endet, wenn dein Gesamteinkommen 565 Euro im Monat übersteigt (bei Minijobbern 603 Euro, die Minijob-Grenze 2026); dabei zählt der Gewinn, nicht der Umsatz. Die Minijob-Grenze selbst gilt nur für Beschäftigungen, nicht für Gewinne aus Selbstständigkeit.
  • Teilzeit: Arbeitest du höchstens 20 Wochenstunden oder verdienst höchstens 1.977,50 Euro im Monat, greift die Vermutung für eine nebenberufliche Selbstständigkeit nicht. Die Kasse prüft dann im Einzelfall Zeitaufwand und Einkommen beider Tätigkeiten.

Für Studierende, Eltern in Elternzeit sowie Arbeitslose, Beamte und Rentner gelten eigene Regeln. Sie stehen in den Artikeln Im Studium selbstständig, In der Elternzeit selbstständig und Sonderfälle nebenberuflich.

Häufige Fragen

Bis zu welcher Höhe ist mein Nebenverdienst steuerfrei?

Als Arbeitnehmer bis 410 Euro Gewinn im Jahr, zwischen 410 und 820 Euro wird er gemildert besteuert, darüber voll mit deinem Grenzsteuersatz. Die oft genannten rund 12.000 Euro gelten nur, wenn du kein anderes Einkommen hast; mit Gehalt ist der Grundfreibetrag verbraucht.

Ändert ein Wechsel der Steuerklasse etwas an der Steuer auf den Nebengewinn?

Nein. Die Steuerklasse bestimmt nur, wie viel Lohnsteuer monatlich vom Gehalt einbehalten wird. Die Jahressteuer auf Gehalt und Nebengewinn setzt das Finanzamt mit der Erklärung fest.

Kann ich Verluste aus der Selbstständigkeit mit meinem Gehalt verrechnen?

Ja, wenn du mit der Absicht arbeitest, auf Dauer Gewinn zu erzielen. Bei dauerhaften Verlusten prüft das Finanzamt, ob eine Liebhaberei vorliegt; dann erkennt es die Verluste nicht an.

Zahle ich als Angestellter Krankenversicherung auf meinen Nebengewinn?

Als pflichtversicherter Angestellter in der Regel nicht, solange die Selbstständigkeit nebenberuflich bleibt. Das gilt in der Regel auch, wenn du wegen eines hohen Gehalts freiwillig gesetzlich versichert bist, weil dein Gehalt dann schon über der Beitragsbemessungsgrenze liegt.

Erfährt mein Arbeitgeber über die Steuer von meinen Aufträgen?

Über die Steuer nicht: Deine Lohnsteuer bleibt unverändert, die Mehrsteuer kommt über deine eigene Erklärung. Ob du die Tätigkeit anzeigen musst, ist eine Frage deines Arbeitsvertrags; sie beantwortet der Artikel Arbeitgeber und Arbeitsvertrag.

Quellen (16)

Dieser Ratgeber gibt den Rechtsstand zum angegebenen Datum allgemein wieder und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall.

Heute Abend eingerichtet, morgen früh die letzten Wochen im Blick.

  • 30 Tage Pro testen
  • Ohne Kreditkarte
  • Danach weiter mit Free